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Andacht für Juni / Juli 2021

Gott ist nicht ferne von einem jeden unter uns. Denn in ihm leben, weben und sind wir. (Apg. 17,27)

Liebe Leserinnen und Leser,

Paulus war in Athen unterwegs. Er schaute sich die Stadt an. Sie war damals klein, man hatte sie schnell durchquert. Was ihn auf seinem Rundgang besonders interessierte, waren die vielen Tempel und Altäre. Athen war eine multikulturelle und multireligiöse Stadt. Für jede Gottheit, an die jemand glaubte, gab es einen eigenen Tempel oder Altar.

Paulus wird später in seiner Rede sagen: „Ich sehe, daß ihr die Götter in allen Stücken verehrt.“ Die vielen Tempel und Altäre waren Ausdruck dafür, daß die Menschen nach einem Halt und einem Fundament für sich suchten.

Ein Altar hat es Paulus besonders angetan. Darauf stand: dem unbekannten Gott. Warum mußte man einen Gott verehren, den man nicht kannte? Dieser Altar sollte sozusagen eine Sicherheitslücke im Leben der Menschen abdecken. Jede Gottheit stand für einen bestimmten Bereich im Leben. Man sicherte diese Bereiche damit ab, daß man die Gottheit verehrte.

Das Bedürfnis nach Sicherheit ist heute unter uns nicht geringer geworden als damals. Wir bauen keine Altäre mehr dafür. Wir sichern uns anders ab. Unser Leben, das Alter, die Gesundheit, unser Vermögen, vor Unfällen, vor Diebstahl - Wir haben uns viele Sicherungssysteme geschaffen und leben mittlerweile in einem der sichersten Länder weltweit.

Das beruhigt.

Es beruhigt, daß ich bei Krankheit zum Arzt gehen kann und weiß, daß wir ein Gesundheitssystem mit einem hohen Standard haben und ich mir über die Kosten meiner Behandlung keine Gedanken machen muß.

Es beruhigt zu wissen, daß ich nach dem Eintritt in das Rentenalter meinen Lebensstandart nicht wesentlich zurückfahren muß. Absicherungen beruhigen.

Aber dann gibt es eben doch die Sicherheitslücken in unserem Alltag. Corona hat so eine offene Flanke bei uns getroffen. Wir konnten uns bisher nicht absichern - jetzt wird es langsam anders. Wir wissen nicht, wenn wir uns anstecken, wie die Krankheit verlaufen wird - leicht, schwer, tödlich? Das verunsichert viele Menschen. Auch andere Krankheiten sind solche Sicherheitslücken. Und darüber hinaus kennen und fürchten wir „Sicherheitslücken“, Schicksalsschläge, die uns treffen könnten, gegen die wir uns nicht absichern können. Das macht Angst, den einen mehr, andere gehen damit gelassener um.

Die Athener versuchten, sich mit dem Altar für den „unbekannten Gott“ abzusichern und die verbliebenen „Sicherheitslücken“ in ihrem Alltag zu schließen. Rundum abgesichert sein: Das ist der Traum, der viele von uns bis heute erfüllt. Die Werbung greift ihn gerne auf.

Paulus stellte sich auf den Areopag, ein Platz in Athen, auf dem sich die Leute trafen, um zu diskutieren. Und er sagte: „Ich verkündige euch den Gott, den ihr unwissend verehrt.“ Die Athener hörten gerne zu, was Paulus von diesem Gott erzählte. Er ist nicht fern. In ihm leben wir. Ein Gott der nahe ist. Ein Gott, der auf uns aufpaßt. Das ist doch toll! So einen Gott wünschen sich doch viele Menschen.

Es gibt noch immer so viele Gefahren im Leben, so vieles, was wir nicht im Griff haben. Schön, daß es diesen Gott gibt, der uns hilft und schützt gegen die Gefahren, der erreichbar ist … wenn ich ihn brauche. Paulus geht noch einen Schritt weiter und kommt zum entscheidenden Punkt: Dieser Gott ist Mensch geworden, gestorben, auferstanden. Er will mehr als nur dann Nothelfer für uns sein, wenn wir ihn brauchen. Er will daß wir umkehren zu ihm, unser ganzes Leben ihm anvertrauen. Er will uns ganz, unser ganzes Vertrauen. Er will die Führung bei uns übernehmen, nicht erst dann, wenn wir nicht mehr weiter wissen. Er will mit uns sein und wir sollen mit ihm leben.

Willst du, daß dieser Gott dein Gott ist?

Ihr Pfr. E. Graubner

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